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Haarausfall durch Chemotherapie

Verfasst von: Hairwin Redaktion

Veröffentlicht: 21.01.2019

Aktualisiert: 27.01.2019


diffuser Haarausfall durch Chemotherapie

Das Ausfallen der Haare während einer Chemotherapie, stellt für viele Patienten eine zusätzliche Belastung dar.

Die wohl bekannteste Nebenwirkung einer Krebsbehandlung ist das Ausfallen der Haare. Neben der ohnehin schon extrem belastenden Situation, zerrt dieser Umstand bei vielen Betroffenen zusätzlich  an der Psyche.

In diesem Artikel erfahren Sie, warum es überhaupt zum Haarausfall kommt, was Betroffene dagegen unternehmen können und welche Möglichkeiten es gibt, den Haarausfall zu minimieren oder zu kaschieren um  diese sehr schwere Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten.

 

Haarausfall Chemotherapie

 

 

Ursachen für den Haarausfall bei einer Chemotherapie

Haarausfall Chemotherapie

Zytostatika hemmen die Zellteilung um den Krebs zu bekämpfen.

Der Hauptverursacher für den Haarausfall bei einer Chemotherapie sind die so genannten Zytostatika. Diese Medikamente hemmen die Zellteilung um den Krebs zu bekämpfen.

 

 

 

 

Zytostatika sind natürliche oder synthetische Substanzen, welche die Zellteilung hemmen. Neben der Anwendung in der Krebsbehandlung, finden diese Medikamente auch häufig in der Behandlung gegen Autoimmunerkrankungen eine Verwendung.

Da sich dieser Wirkung besonders auf schnell wachsende und häufig teilende Zellen auswirkt, fallen bei den Betroffenen die Haare aus.

Nach der ersten Verabreichung der Zytostatika dauert es etwa 2-4 Wochen, bis die Haare vermehrt ausfallen. Bei einer geringfügig verabreichten Chemotherapie kann der Haarausfall wesentlich langsamer voranschreiten und weniger Haare ausfallen.

Erst wenn etwa 50% der Haare ausgefallen sind, wird der Haarausfall auch für Außenstehende deutlich sichtbar.

Doch auch Patienten die nicht mit Zytostatika behandelt werden, können vom Haarausfall betroffen sein. Es gibt zahlreiche weitere Faktoren, welche bei einer Krebsbehandlung zu Haarausfall führen können.

 

Die Intensität des Haarverlustes hängt hauptsächlich von der Art der verabreichten Medikamente sowie deren Dosierung ab. Im schlimmsten Fall kann es dazu kommen, dass zusätzlich die Augenbrauen, die Wimpern oder sogar die komplette Körperbehaarung betroffen ist.

Was individuell auf den einzelnen Patienten zukommen kann, wird meist sehr genau vom behandelnden Arzt eingeschätzt.

 

Haarausfall bei Chemotherapie- wann wachsen die Haare wieder nach?

Die häufigste Fragen die sich Betroffen stellen ist, ob und wann die Haare wieder nachwachsen.

Zunächst einmal eines vorweg: In den aller meisten Fällen wachsen die Haare wieder in vollem Umfang nach. Wann sich alle Wurzeln wieder in eine Wachstumsphase begeben ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Wichtig ist jedoch, dass alle Zytostatika im Körper abgebaut sind.

Haarausfall Chemotherapie

Nach der Therapie fangen die Haare in der Regel langsam wieder an  zu wachsen.

 

Nach etwa drei Monaten sollten die Haare schon wieder soweit nachgewachsen sein, dass Männer und Frauen ohne Haarersatz auskommen. Die restliche Körperbehaarung braucht erfahrungsgemäß etwas länger, da sich dort die Zellen nicht so schnell als beim Haupthaar teilen.

 

Dauerhafte Schädigung der Haarwurzel?

Haarausfall Chemotherapie

Dauerhafte Schäden der Haarwurzeln durch eine Chemotherapie sind sehr selten.

Die meisten Patienten berichten nicht über eine wahrnehmbare dauerhafte Schädigung der Haarwurzeln nach einer Chemothearpie. Es kann jedoch dazu kommen, dass die neuen Haare zeitweise etwas lockiger aussehen als vor der Behandlung. Dieses Phänomen kann man als letzte sichtbare vorübergehende Schädigung der Haarwurzeln einordnen.

Sind die Haare erst einmal wieder allumfassend nachgewachsen, bestehen sowohl in der Pflege als auch für das Styling keinerlei Einschränkungen.

Dauerhafte oder ernste Zellschädigungen der Haarfollikel aufgrund einer Chemotherapie sind eher selten. Ganz auszuschließen sind diese jedoch nicht.

Mediziner berichten von einzelnen Betroffenen, welche insbesondere nach einer hochdosierten Chemotherapie mit anschließender Stammzellentransplantation dauerhafte Schäden davontrugen. Bei diesen Patienten wuchsen die Haare nicht wieder nach.

 

Haarersatz durch Krankenkasse?


Bei Frauen:


In der Regel kann der behandelnde Arzt abschätzen, ob es bei einer geplanten Chemotherapie zu einem kompletten Haarverlust kommt. Wenn dies der Fall ist haben Frauen die Möglichkeit, sich direkt vom Arzt eine Perücke „verschreiben“ zu lassen.


 


Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten oder genehmigen einen Zuschuss. Private Krankenkassen entscheiden häufig nach dem Beitragstarif ob und in welchem Umfang eine Perücke abgerechnet werden kann.


 


Wie die Kostenbeteiligung im Einzelnen aussieht, ist bei jeder Krankenkasse unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, sich vor dem Kauf einer Perücke mit seiner Kasse in Verbindung zu setzen.


Bei Männern:


Bei Männern gestaltet sich die Situation etwas schwieriger. Leidet ein Mann in Folge einer Chemotherapie an Haarausfall, ist die Übernahme der Kosten statistisch signifikant niedriger. Die Krankenkassen gehen davon aus, dass Haarausfall beim Mann mit zunehmendem Alter ein „normaler“ Umstand ist.


 


Daher sei ein kurzfristiger krankheitsbedingter Haarverlust (auch bei jungen Männern) ein akzeptabler Zustand. Nichtsdestotrotz ist eine Kontaktaufnahme zur Krankenkasse in jedem Fall eine sinnvolle Maßnahme.

 

Kunsthaar oder Echthaar?

Haarausfall Chemotherapie

Für viele Betroffene ist Haarersatz eine hilfreiche Brücke, um das optische Erscheinungsbild aufrecht zu erhalten.

Nachdem die Kostenfrage mit der Krankenkasse geklärt ist stellt sich nun die Frage, ob man eine

Kunsthaar- oder Echthaarperücke tragen will. Beide Varianten können bei richtiger Anbringung und Pflege ein sehr natürliches Ergebnis erzielen.

Kunsthaarperücken sind in der Regel pflegeleichter als Echthaar. Welche Variante im Einzelfall in Frage kommt, hängt vor allem von den erstatteten Kosten Ihrer Krankenkasse ab.

 

 

 

Der erste Schritt um ein passendes Haarsystem zu finden, ist der Besuch bei einem Zweithaarspezialisten. Dieser kann durch sein geschultes Auge eine passende Perückenart bestimmen.

Im weiteren Verlauf muss das ausgewählte Haarsystem natürlich genau angepasst, frisiert und gegebenenfalls gefärbt werden.

Unser Tipp:


Bei Ihrem letzten Friseurbesuch vor der Chemotherapie können Sie sich Ihr Haar kürzer schneiden lassen, um so den Übergang zum Nachwachsen der Haare kürzer zu gestalten. Dies kann für Ihre Psyche sehr hilfreich sein.

 

Auf Haarersatz bewusst verzichten

Haarausfall Chemotherapie

Viele Patienten verzichten bewusst auf Haarersatz.

Einige Menschen entscheiden sich schon vor einer Chemotherapie dazu, bewusst (teilweise oder ganz) auf Haarersatz zu verzichten.

Einige Patienten kommen beispielsweise im normalen Alltag ohne Perücke aus und präsentieren sich im familiären und freundschaftlichem Umfeld ohne Perücke. Dies kann für Betroffene befreiend wirken, da man sich so zeigt, wie man in dieser Phase des Lebens wirklich ist.

Nur zu besonderen Anlässen oder bei einem Gang in die Öffentlichkeit wird die Glatze durch ein Haarteil versteckt.

Viele Männer verzichten sogar komplett darauf. Aus gutem Grund. Gerade Männer haben preisgünstigere und praktische Alternativen, ihren Kahlkopf zu kaschieren. In den meisten Fällen reicht eine einfache Baseballcap. Auch Hüte oder andere Kopfbedeckungen sind bei Männern sehr beliebt.

 

 

Gerade im Sommer haben handelsübliche Kopfbedeckungen einen entscheidenden Vorteil.


Sie schützen vor der Sonne. Während sich die Hitze bei einem Haarteil  in vielen Fällen in dem Zwischenraum zwischen Haarteil und Kopfhaut festsetzt, bietet eine einfache Kopfbedeckung wesentlich mehr Flexibilität und Komfort.

 

Die häufigste Kopfbedeckung bei Frauen ist übrigens das Kopftuch.

Sollte es im Rahmen der Behandlung zu einem kompletten Verlust der Körperbehaarung kommen, bieten sich sowohl für Männer als auch für Frauen gewisse Hilfsmittel an.

So können Betroffene zum Beispiel Ihre Augenbrauen mit einem Schminkpinsel oder einem Brauenstift nachzeichen. Dies sorgt für einen gesünderen und natürlicheren Gesichtsausdruck – auch ohne Haarteil.

 

Kann man den Haarausfall bei einer Chemotherapie beeinflussen?

Die Wissenschaft stellt sich schon lange die Frage ob es eine Möglichkeit gibt, den Haarausfall während einer Chemotherapie zu verringen oder sogar zu stoppen. Leider liefern aktuelle Studien zu diesem Thema eher ernüchternde Erkenntnisse.

 

Kühlhauben (Cold Caps)

Haarausfall Chemotherapie

Durch Unterkühlung der Kopfhaut soll die schädliche Wirkung einer Chemotherapie auf die Haarwurzel unterbunden werden.

Ein weit verbreiteter Ansatz im Kampf gegen den Haarausfall während einer Chemotherapie sind

die so genannten „Cold Caps“.Bei dieser Methode wird die Kopfhaut systematisch mittels einer Kopfhaube unterkühlt. Dies hat zur Folge, dass die Durchblutung in der gesamten Kopfhaut verringert wird.

Einige Cold Caps komprimieren zusätzlich die Kopfhaut, um die Durchblutung noch stärker zu drosseln.

Dadurch sollen weniger Zytostatika die Haarwurzeln erreichen und schädigen.

 

Wirksamkeit und Bedenken

Die Autoren der aktuell gültigen Leitlinie „Supportive Therapie“ äußern sich zu dieser Methode eher bedenklich:

Bereits existierende Studien zu diesem Verfahren seien nur bedingt aussagekräftig. Zum einen wurden Cold Caps bisher ausschließlich bei Brustkrebs getestet. Zum anderen unterscheiden sich von Studie zu Studie wesentliche Faktoren wie beispielsweise das Vorhandensein einer Vergleichsgruppe oder die Kühldauer der Kopfhaut.

Trotzdem scheint es eine Verbesserung der Haarsituation zu geben. Optisch war der Haarausfall jedoch bei vielen Frauen dennoch deutlich sichtbar. Viele Teilnehmerinnen empfanden das Tragen dieser Kopfhaube zudem äußerst unangenehm.

 

Risikofaktoren& Fazit

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Therapie mit den Cold Caps ein hohes Risiko mit sich bringen kann. Durch die Unterkühlung der Kopfhaut könnte es dazu kommen, dass sich an diesen Stellen Hautmetastasen des bereits vorhandene Krebses bilden könnten, da an diesen Arealen die Chemotherapie nicht wirken kann.

Wer es unbedingt für nötig hält, kann eine Kühlhaube verwenden. Empfohlen wird es jedoch nicht, auch wenn ein positives Ergebnis möglich ist. Zudem übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Kühlbehandlung in der Regel nicht.
Haarausfall Chemotherapie

Derzeit wird daran gearbeitet, den Haarausfall bei einer Chemotherapie medikamentös zu beeinflussen.

Cold Caps sind ausschließlich bei soliden Tumoren sinnvoll. Bei Leukämie oder Lymphomen ist diese Therapie ausgeschlossen.

Die Wissenschaftler arbeiten derzeit an einigen Alternativen, um den Haarausfall einzuschränken oder zu stoppen. Der Ansatz der heutigen Forschung ist es, die Haarwurzelzellen medikamentös zu schützen.

Leider gibt es bisher nur Ergebnisse aus Tierversuchen, welche nicht vollständig auf den Menschen übertragbar sind.

 

Haarausfall Chemotherapie

 

Bestrahlung

Haarausfall Chemotherapie

Auch bei einer gezielten Bestrahlung kann es zu Haarausfall kommen.

Auch bei einer Bestrahlung eines Tumors kann es zu Haarausfall kommen. Jedoch muss dieser sich dafür direkt im Kopf befinden. Eine Strahlentherapie an anderen Körperstellen hat in der Regel keinen Einfluss auf die Haare.

Bei Brustkrebs beispielsweise werden die Haarfollikel durch eine Strahlentherapie nicht angegriffen.

Wann und in welchem Ausmaß bei einer Strahlentherapie mit Haarausfall zu rechnen ist hängt von der Strahlendosis ab, welche direkt auf den Haarfollikel einwirkt.

 

Falls ein Haarverlust durch die Strahlendosis eintritt, müssen Patienten in den meisten Fällen geduldiger mit der Wiederkehr der Haare sein als bei einer Chemotherapie. Dennoch erholen sich die meisten Haarwurzeln im laufe der Zeit vollständig.

 

Bei besonders aggressiven Tumoren im Gehirn ist es in vielen Fällen jedoch notwendig, eine so hohe Strahlendosis abzugeben, dass das Haar dauerhaft geschädigt wird. Die Schädigungen machen sich in vielen Fällen durch dünnes und schütteres Haar bemerkbar.

Bevor einer anstehenden Hirnbestrahlung sollte das Thema Haarausfall beziehungsweise dauerhafte Haarschädigungen unbedingt mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Haarausfall Chemotherapie

„Targeted Therapies“- Haarausfall jenseits der Chemotherapie

Die Behandlung gegen Krebs ist heut zu Tage sehr umfangreich und komplex. Neben der eigentlichen Chemotherapie kommen auch so genannte „targeted therapies“ zum Einsatz.

Dieser Therapieansatz richtet sich gegen bestimmte Merkmale an oder auf den Krebszellen. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Chemotherapie, wirkt dieser Ansatz sehr viel zielgerichteter (target= Ziel).


 


Targeted therapies werden auch oft mit einer Chemotherapie kombiniert.

Jedoch kann es auch bei dem Einsatz der zielgerichteten Therapien zu Nebenwirkungen kommen. Diese finden sich zwar meist auf der Haut, jedoch können auch die Haare betroffen sein.

Die Strukturen, welche zielgerichtete Medikamente in Krebszellen bekämpfen, finden sich auch in intakten gesunden Zellen wieder. Diese Zellen werden bei einer Therapie auch angegriffen.

In welchem Ausmaß sich die Haare verändern oder ausfallen hängt maßgeblich vom Wirkstoff ab.

Haarausfall Chemotherapie

EGFR Hemmer

EGFR (Epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor) ist ein Protein, welches Wachstumssignale von außen in die Zellen weiterleitet. Dieses Protein findet man auch häufig in verschiedenen Tumorzellen.

EGFR Hemmer unterbinden diese Weiterleitung und sollen somit das Wachstum des Tumors verhindern. Gesunde Zellen sind von diesem Wirkmechanismus ebenfalls betroffen.

Mögliche Nebenwirkungen:



  • dünnes oder brüchiges Haar

  • lockiges Haar

  • Haarausfall vor allem im Stirnbereich

  • geschwächter Bartwuchs bei Männern

Multikinase und Tyrosinkinasehemmer

Anders als EGFR Hemmer, wirken Multikinase- und Tyrosinkinasehemmer etwas anders. Sie blockieren die Wachstumssignale innerhalb einer Zelle.

Multikinasehemmer sind sogar in der Lage in einzelnen Tumorzellen zu stören. Auch bei diesen Medikamenten ist eine negative Wirkung auf das Haarwachstum möglich. Doch längst nicht jeder Patient ist davon betroffen.

Nach Absetzen der Medikamente, bilden sich die Haare in den meisten Fällen zurück.


Quellenangaben und Verweise

Kältekappen gegen Haarausfall

Kein Haarersatz trotz Chemotherapie

EGFR Hemmer gegen Darmkrebs

Dermatologic Toxicity Occurring During Anti-EGFR Monoclonal Inhibitor Therapy in Patients With Metastatic Colorectal Cancer: A Systematic Review

Haarausfall Chemotherapie