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Diffuser Haarausfall- Symptom vieler Erkrankungen

Verfasst von: Hairwin Redaktion

Veröffentlicht: 28.10.2018

Aktualisiert: 28.10.2018


diffuser Haarausfall

Frauen sind wesentlich häufiger von diffusem Haarausfall betroffen.

Der diffuse Haarausfall macht sich durch eine gleichmäßige Ausdünnung des Haupthaares am gesamten Kopf bemerkbar. Die Kopfhaut schimmert bei vielen Betroffene durch die Haarschaft durch. Einzelne kahle Stellen entstehen jedoch nicht. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer.

Der diffuse Haarausfall ist – anders als die androgenetische Alopezie oder der kreisrunde Haarausfall– kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern lediglich ein Symptom verschiedenster Erkrankungen, Störungen und Mängel in unserem Körper.

Genau aus diesem Grund ist das diffuse Ausdünnen der Haare in den meisten Fällen gut therapierbar.

Telogener und anagener Haarausfall

Der diffuse Haarausfall lässt sich im Allgemeinen zwischen zwei Formen unterscheiden.

Telogener Haarausfall

Der telogene Haarverlust beginnt meist drei Monate nach Auftreten der Ursache (Mängel, Erkrankung etc.). Merkmal des sogenannten telogenen Effluvium ist das verstärkte Eintreten der Haarfollikel in die Ruhephase (Telogenphase).

Wird die Ursache beseitigt, kommt der Haarverlust zum Stillstand. Nach etwa sechs bis zwölf Monaten sind alle Haare wieder vollumfassend nachgewachsen.

 

Anagener Haarausfall

Beim anagenen Haarverlust (anagenes Effuvium) fallen die Haare bereits in der Wachstumsphase (Anagenphase) aus. Dieser Verlauf ist meist sehr akut. Schon nach etwa zwei Wochen nach dem auslösenden Ereignis (Schwermetallvergiftung, Chemotherapie etc.)  kann es zu einem extremen Haarausfall kommen.

In den meisten Fällen fangen die Haare nach Beendigung der Behandlung wieder an zu wachsen. In vielen Fällen wird überraschenderweise berichtet, dass das Haar voller und dichter nachwächst als vor der Behandlung. Die Ursache für dieses Phänomen ist unklar.

Anagen- Telogen und Catagenphase im Überblick

Wachtumsphase der Haare

Anagen= Wachstumph.
Catagen= Übergang zwischen Wachstumsphase und Ruhephase
Telogen= Ruhephase

 

Ursachen und Verlauf des diffusen Haarausfalles

Da diffuser Haarausfall lediglich ein Symptom verschiedenster Erkrankungen ist, sind die Ursachen sehr vielseitig.

Allgemeiner Nährstoffmangel und Krankheiten

 Haarausfall durch Nährstoffmangel

Radikale Diäten oder eine sehr einseitige Ernährung können einen Nährstoffmangel hervorrufen.

Die Wahrscheinlichkeit an einem ernsten Nährstoffmangel zu leiden, ist in der westlichen Welt bei einer ausgewogenen Ernährung sehr gering. Dennoch können bereits radikale Diäten, Essstörungen wie Bulimie und Anorexie sowie chronische Darmkrankheiten einen Nährstoffmangel hervorrufen.

In diesen Fällen ist die Nährstoffversorung der Haarfollikel vollkommen mangelhaft. Noch bestehende Nährstoffvorkommen werden von unserem Körper aus den Follikeln abgezogen, um sie in lebenswichtigen Regionen einzusetzen.

Zur gleichen Zeit werden so genannte Schlacken im Haarboden eingelagert, welche sich als direkte Auswirkung einer säurebildenden und mineralstoffarmen Ernährung gebildet wurden.

Somit können die Haarwurzeln nicht optimal versorgt werden und sterben als direkte Folge dieser Umstände ab.

Für die Behebung dieser Ursache muss eine grundlegende Veränderung der Ernährung stattfinden. Wenn der Körper entsäuert, entschlackt und gleichzeitig remineralisiert wird, kann er mit einer basischen Ernährung wieder mit hochwertigen Nährstoffen versorgt werden.

Die Nährstoffe gelangen nun wieder in ausreichender Menge an die Haarwurzel und den Haarboden. Erst dann kann neues und dickes Haar nachwachsen.

 

Der Zellstoffwechsel der Haare ist auf die Versorgung folgender Stoffe angewiesen:



  • Sauerstoff

  • Glukose

  • Zink

  • Eisen

  • Protein

Unterversorgte Haare treten schneller in die Ruhephase (Telogenphase) ein. Unmittelbares Symptom ist das diffuse Ausdünnen der Haare.

Auch Infektionskrankheiten wie Grippe oder Scharlach, sowie eine Vollnarkose können das Haar diffus ausfallen lassen.

diffuser Haarausfall bei Eisenmangel

diffuser Haarausfall durch Eisenmangel

Eisen ist eines der wichtigsten Spurenelemente für unseren Körper.

Menschen mit nachgewiesenem Eisenmangel leiden auffällig oft an diffusem Haarausfall. Vor allem der Mangel des Speichereisens Ferritin scheint für den Verlust der Haare eine entscheidende Rolle zu spielen.

Befindet sich zu wenig Eisen in unserem Blut, sinkt der Sauerstoffgehalt. Die Nährstoffversorgung der Haare gerät ins Stocken.

Radikale Diäten, verstärkte Monatsblutungen bei der Frau sowie eine Schwangerschaft sind die häufigsten Ursachen für diese Mangelerscheinung. Eine schwangere Frau benötigt dreimal so viel Eisen als vor der Schwangerschaft.

Dies ist der Grund, warum werdende Mütter routinemäßig Eisenpräparate erhalten.

Ob dieser Mangel jedoch die einzige und wirkliche Ursache ist, konnte bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Weitere Symptome eines Eisenmangels sind unter anderem:



  • auffallende Blässe

  • Depression und Ängstlichkeit

  • Infektanfälligkeit

  • Konzentrationsschwäche

  • Brüchige Nägel

  • eingerissene Mundwinkel

  • verminderte Leistungsfähigkeit

  • Kurzatmigkeit

  • Abgeschlagenheit

diffuser Haarausfall nach der Schwangerschaft

Haarausfall durch Schwangerschaft

Die hormonellen Schwankungen nach einer Schwangerschaft können diffusen Haarausfall verursachen.

Wenn eine Frau schwanger wird, verändert sich das weibliche Hormongleichgewicht. Der Östrogenspieel steigt an. Es ist oft zu beobachten, dass schwangere Frauen deutlich dichteres und dickeres Haar besitzen als vor der Befruchtung.

Dies liegt an der verlängerten Wachstumsphase der Haare, welche sich im Laufe einer Schwangerschaft einstellt.

 

 

 

Nach der Geburt kann es jedoch dazu kommen, dass der diffuse Haarausfall durch die wiederkehrenden hormonellen Schwankungen (Östrogenabfall) verstärkt einsetzt.

Auch die Einnahme von hormonell- wirkenden Medikamenten (z.B Anti-Baby Pille) kann diese Symptome hervorrufen.

 

Auch wenn dieser Vorgang für Betroffene im ersten Moment erschreckend wirkt, müssen sich die meisten Frauen keine ernsthaften Sorgen machen. Der Haarverlust verabschiedet sich üblicherweise nach wenigen Wochen von selbst.

 

diffuser Haarausfall durch eine Schilddrüsenerkrankung

Eine Erkrankung der Schilddrüse kann sich ebenfalls stark an den Haaren bemerkbar machen.

diffuser Haarausfall Schilddrüse

Eine Erkrankung der Schilddrüse kann sich durch diffusen Haarausfall äußern.

So können bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) folgende Symptome auftreten:



  • starker Kälteempfindlichkeit

  • trockene Haut

  • Antriebsarmut

  • brüchige und stumpfe Haare, welche im weiteren Verlauf diffus ausfallen können.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) dünnt das Haar in vielen Fällen aus, bevor es diffus ausfällt. Weitere Symptome einer Hyperthyreose sind:



  • gesteigerte Reizbarkeit

  • Wärmeintoleranz

  • warm-feuchte Haut

 

Übermäßiges Haarstyling

Haarausfall durch Styling

Zu viel „Haarpflege“ und Styling kann das Haar so sehr schädigen, dass es diffus ausfällt.

Viele Betroffene muten ihrem Haar deutlich zu viel zu. Dies kann dazu führen, dass die Haarstruktur geschädigt wird. Übermäßiges Färben (vor allem Bleichen), Fönen und das häufige Benutzen von Lockenstäben kann Ursache für sprödes, lebloses Haar sein.

 

 

 

 

Haarausfall durch Infektionen und Hauterkrankungen

Bei Infektionen mit Bakterien oder Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Ekzemen oder Pilzerkrankungen kann es auch zu diffusem Haarausfall kommen. Bei vielen Patienten mit diesen Symptomen, kann es sich aber auch um kreisrunden Haarausfall handeln.

diffuser Haarausfall durch eine Chemotherapie

diffuser Haarausfall durch Chemotherapie

Während einer Chemotherapie kommt es in vielen Fällen zum Verlust der kompletten Körperbehaarung.

Die wohl bekannteste Form des diffusen Haarausfalles tritt oft bei einer zielgerichteten Chemo- oder Strahlentherapie auf. Oft fallen nicht nur die Kopfhaare aus, sondern auch die Augenbrauen und die gesamte Körperbehaarung.

Grund hierfür sind die eingesetzten Zytostatika, welche sich toxisch auf den Körper auswirken. Sie hemmen die Zellteilung, um das Wachstum bösartiger Tumore zu verhindern.

 

 

Die Zellteilung an der Haarwurzel wird unterbrochen. Aus diesem Grund brechen die Haare einfach ab und fallen somit ganzheitlich aus.

Der Verlust der Haare beginnt ,je nach Therapie, einige Tage bis Wochen nach der Behandlung. Die meisten Patienten rasieren sich in diesem Zeitraum die Haare selbst ab.

Strahlentherapie

Muss sich ein Patient im Rahmen einer Krebsbehandlung einer Strahlentherapie unterziehen, kann es ebenfalls zu diffusem Haarausfall kommen. Wenn die Kopfhaut im Bestrahlungsfeld liegt, steigt die Wahrscheinlichkeit des Haarverlustes noch einmal an.

 

Egal ob Chemo- oder Strahlentherapie. In den meisten Fällen wachsen die Haare nach einer Behandlung nach mehreren Monaten wieder nach. In seltenen Fällen kann es jedoch dazu kommen, dass bei einer sehr hohen Strahlendosis die Haarwurzeln langfristige Schäden davon tragen.Doch auch dann ist nicht mit einer kompletten Glatze zu rechnen. 

 

 

Diffuser Haarausfall durch Medikamente und Vergiftungen

Haarausfall durch Medikamente

Zahlreiche Medikamente und deren Nebenwirkungen können zu diffusem Haarausfall führen.

 

Haarausfall ist nicht selten eine Nebenwirkung einiger Medikamente. Folgende Pharmazeutika stehen hierbei im Augenmerk:



  • Cholesterinsenker

  • Mittel zur Blutverdünnung

  • Betablocker

  • Retinoiden gegen Akne

 

In seltenen Fällen kann diffuser Haarausfall durch eine Vergiftung (z.B Schwermetallvergiftung) ausgelöst werden. Jedoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass Haarausfall als einziges Symptom auftritt.

 

Verlauf

diffuser Haarausfall Verlauf

Der Verlauf von diffusem Haarausfall ist sehr vielseitig und kann nicht allgemein klassifiziert werden.

Der Verlauf des diffusen Haarausfalles ist sehr schwer zu klassifizieren. Da eine Vielzahl von Krankheiten und Mangelerscheinungen Ursache der dünner werdenden Haare sein können, lassen sich keine allgemeinen Aussagen über einen Verlauf treffen.

Lediglich das Wiederkehren der Haare, nach Beseitigung der Ursache, kann zeitlich eingegrenzt werden. So haben Betroffene in der Regel innerhalb eines halben Jahres ihre Haarpracht zurückgewonnen.

Besonderheiten

Es gibt Menschen, welche auffällig viele Haare im Frühjahr und im Herbst verlieren. Auch wenn dies biologisch nicht mit einem „Fellwechsel“ bei Tieren vergleichbar ist, ähnelt sich Verlauf in den meisten Fällen. Die Haare kommen wieder. Erst wenn dies nicht der Fall ist, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

 

Diagnose von diffusem Haarausfall

Diagnose diffuser Haarausfall

Meist kann ein Dermatologe schon im persönlichen Gespräch eine Ursache erkennen.

Die Anamnese bei kreisrundem Haarausfall beginnt mit einem persönlichen Gespräch. Zunächst wird die Dauer des Haarverlustes sowie die bisherige Krankengeschichte sowie aktuelle Beschwerden abgefragt. Es folgt die Untersuchung der Kopfhaut. Hier kann der Dermatologe den Haarausfall lokalisieren und durch einen Zupftest bewerten. Außerdem kann er mit einem Dermatoskop die Kopfhaut genauer untersuchen.

 

 

 

Auch eine Blutuntersuchung ist in den meisten Fällen sinnvoll. Diese kann für eine genaue Diagnosestellung herangezogen werden, um mögliche Erkrankungen oder Mangelerscheinungen zu identifizieren.

Die wichtigsten labordiagnostischen Werte, welche Aufschluss über die Ursache des diffusen Haarausfalles geben können, sind:



  • Ferritinwert bei Verdacht auf Eisenmangel

  • Hämoglobinwert (eisenhaltiger Proteinkomplex in den roten Blutkörperchen)

  • Entzündungswerte bei Verdacht auf chronisch- entzündliche Erkrankungen (z.B Schuppenflechte)

  • Thyreotropin (Hormon) bei Verdacht auf Schilddrüsenerkrankung

  • Insulinspiegel Leber- und Nierenwerte

 

Therapiemöglichkeiten bei diffusem Haarausfall

Da es sich bei diffusem Haarausfall um ein reines Symptom einer Mangelerscheinung oder Krankheit handelt, lässt sich kein allgemeines Therapiekonzept benennen.  Die Behandlung richtet sich immer nach der jeweiligen Ursache.

 

  • MEDIKAMENTE
Sind Medikamente der Auslöser, sollte mit dem behandelndem Arzt nach einer alternativen Medikation gesucht werden. Sie sollten auf keinen Fall verdächtige Präparate eigenmächtig absetzen!

 

  • EISENMANGEL
Bei einem erwiesenem Eisenmangel muss zuerst die Ursache abgeklärt werden. Tritt die Mangelerscheinung mit einer Blutarmut (Anämie) auf, helfen in den meisten Fällen Eisenpräparate. Besteht jedoch keine Blutarmut, ist dieser Therapieansatz womöglich nicht wirksam.

Auch mit einer Schilddrüsenerkrankung sollte man natürlich bei einem Arzt vorstellig werden.

  • SCHWANGERSCHAFT
Befindet sich eine Frau in einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, hat der diffuse Haarausfall meist hormonelle Ursachen. Die verminderte Östrogenproduktion wirkt sich negativ auf den Zellstoffwechsel der Haare aus.


Eine Hormontherapie wirkt in diesen Fällen meist nur ansatzweise. Eine Therapie mit Thiocyn* stärkt den Zellstoffwechsel und kann somit kompensierend wirken.

 

  • MANGELERSCHEINUNG 
Tritt der Haarausfall in Folge einer erworbenen Mangelerscheinung auf (zum Beispiel eine Diät), sollte diese schleunigst beendet werden. Stattdessen ist eine angemessene, ausgewogene Ernährung sinnvoll. Ein nicht erworbener Nährstoffmangel ist hierzulande sehr selten der Auslöser für diffusen Haarausfall.
  • CHEMOTHERAPIE

 



  • Frauen mit einer Krebserkrankung haben die Möglichkeit, ihren kahlen Kopf mit einer Echthaarperücke zu kaschieren. Führt die Chemotherapie erwiesenermaßen zum Haarverlust, tragen die Krankenkassen in der Regel die Kosten für das neue Haar. Ein Arzt muss dies jedoch verordnen.

  • Ein weiteres kosmetisches Hilfsmittel ist das Nachzeichnen der Wimpern und Augenbrauen. Es gibt speziell entwickelte Schminkkurse für Frauen, in denen Betroffene lernen können fehlende Behaarung nachzuzeichnen.

  • Eine ebenfalls weit verbreitete Methode den diffusen Haarausfall in einer Krebsbehandlung zu lindern ist das Tragen von Kältekappen. Dort zirukiert ein Kühlmittel, welches die Durchblutung der Kopfhaut vermindert. So sollen geringere Mengen der Zellteilungshemmer in die Haarfollikel gelangen.

 

Allgemein kann man sagen, dass der diffuse Haarausfall auch nach Beseitigung der Ursache noch zwei bis drei Monate anhalten kann. Grund dafür ist, dass ein Teil der Haare schon in die Ruhe- beziehungsweise Ausfallphase (Telogenphase, siehe oben) eingetreten ist und nach zwei bis drei Monaten „stur“ ausfällt.


Weitere Artikel zum Thema:

 

 

Haarausfall durch Chemotherapie

 

 


 

 

Quellenangabe und Verweise:

Haarausfall durch Krebsbehandlung

Haarausfall und seine Ursachen

Haarausfall durch Stress