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Die androgenetische Alopezie – Erblich bedingter Haarausfall ist aufzuhalten

Verfasst von: Hairwin Redaktion

Veröffentlicht: 12.08.2018

Aktualisiert: 26.10.2018


erblich bedingter Haarausfall

Erblich bedingter Haarausfall ist keine Einbahnstraße.

Die androgenetische Alopezie ist der anlagebedingte Haarausfall durch männliche Hormone (Androgene). Bei dieser Art des Haarausfalles reagieren die Haarfollikel überempfindlich auf das vom männlichen Hormon Testosteron abkömmliche DHT (Dihydrotestosteron).

Die androgenetische Alopezie ist mit Abstand der am häufigst auftretende Haarausfall beim Mann. Etwa 8 von 10 Männern erkranken im Laufe ihres Lebens an dieser Form des Haarverlustes. Mit steigendem Alter steigt das Risiko einer Erkrankung nochmals an.

Die meisten Männer erkranken jedoch zwischen dem zwanzigsten und vierzigsten Lebensjahr an der Überempfindlichkeit. Der erblich bedingte Haarausfall ist gesundheitlich völlig unbedenklich, kann aber bei vielen Menschen durch ein verringertes Selbstbewusstsein zu ernsthaften psychischen Problemen führen. 

In diesem Artikel erfahren Sie, wie die androgenetische Alopezie entsteht, wie man sie erkennt und vor allem was es für Therapiemöglichkeiten gibt. Denn erblich bedingter Haarausfall ist aufzuhalten!


Diagnose androgenetische Alopezie

 

Therapiemöglichkeiten bei erblich bedingtem Haarausfall

 

 


 


Ursache des erblich bedingten Haarausfalles

Unsere Haarfollikel durchlaufen in regelmäßigen Abständen zwei Phasen. Zu Beginn steht eine mehrjährig andauernde Wachstumsphase (Anagen). In dieser Zeit wachsen unsere Haare kontinuierlich und bilden sich zu dicken und dichten Terminalhaaren aus.

 

Wachtumsphase der Haare

Anagen= Wachstumph.
Catagen= Übergang zwischen Wachstumsphase und Ruhephase
Telogen= Ruhephase

Nach der Wachstumsphase treten die Haarwurzeln für mehrere Monate in die Ruhephase (Telogen). In dieser Zeit wachsen die Haare nicht.

Sobald die Haarfollikel nun wieder in die Wachstumsphase eintreten wird ein neues Haar gebildet, welches das alte aus dem Haarkanal hinausdrückt. Das alte Haar wurde also ersetzt.

Dieser Prozess geschieht nicht bei jeder Haarwurzel gleichzeitig. Da der Mensch zwischen 90.000 und 150.000 Kopfhaare besitzt, fällt dieser Prozess bei gesunden Haaren nicht auf. Ein Haarausfall zwischen 50 und 100 Haaren pro Tag ist also völlig normal.

 

 

Problematisch wird es jedoch wenn die Haarwurzel nach dem Eintritt in die Wachstumsphase daran gehindert wird, ein neues, dickes Terminalhaar zu bilden. Dies geschieht, wie schon beschrieben, durch den Abkömmling des männlichen Hormones Testosteron DHT* (Dihydrotestosteron).

DHT hindert den  Haarfollikel daran, ein neues gesundes Haar zu produzieren. Die Nährstoffversorgung wird gehemmt und die Wachstumsphase verkürzt sich.

Nun beginnt der Teufelskreis. In jeder Wachstumsphase wird die Haarwurzel weiter geschädigt. Somit werden die Haare immer dünner und bilden am Ende nur noch einen feinen Flaum. Dieser Vorgang ist nicht mehr rückgängig zu machen.

DHT* Dihydrotestosteron ist ein Abkömmling des männlichen Hormons Testosteron. Das Metabolit ermöglicht die Entwicklung der äußeren männlichen Geschlechtsorgane und steuert die Funktionen der Prostata, männlicher Körperbehaarung, des Bartwuchses und der Talgdrüsen. Bei einer Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen DHT kommt es zu erblich bedingtem Haarausfall.


Warum die Haarwurzeln gerade bei Männern so empfindlich auf DHT reagieren

Die Empfindlichkeit der Haarwurzel auf DHT hängt mit der Anzahl der bestehenden Androgenrezeptoren zusammen.

Androgenrezeptoren sind Strukturen in den Zellen, an denen sich das DHT binden und wirken kann. Die Anzahl dieser Rezeptoren ist genetisch vorprogrammiert. Deswegen ist diese Form des Haarverlustes erblich bedingt.

Wie aus Testosteron DHT entsteht

Für die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron ist das Enzym 5α-Reduktase verantwortlich. Die Wirksamkeit dieses Enzyms wurde vor allem in der Dermalpapille nachgewiesen. In dieser Dermalpapille liegen die Steuerungszellen für das Haarwachstum. Diese werden bei Überempfindlichkeit gegen DHT dauerhaft geschädigt.


Die Vererbung des anlagebedingten Haarausfalles

Vererbung des anlagebedingten Haarausfalles

Die Überempfindlichkeit gegen DHT wird meist vom Großvater mütterlicherseits vererbt.

Im Jahre 2005 konnten Forscher der Universitäten Bonn und Düsseldorf das erste Mal eine verantwortliche Erbanlage für die androgenetische Alopezie identifizieren.

Demnach ist ein (von der Mutter vererbter) Gendefekt in den Androgenrezeptoren für den Haarverlust verantwortlich. Entweder bestehen zu viele dieser Rezeptoren oder die Rezeptorenvariante ist stabiler.

Das Ergebnis bleibt das selbe. Die Haare fallen aus.

 

Die Anlage dieser Rezeptoren (Anzahl und Variante) wurde von den Forschern im X- Chromosom nachgewiesen. Das bedeutet, dass dieser Gendefekt nur von der Mutter stammen kann. Demnach ist es sehr wahrscheinlich, dass Männer mit erblich bedingtem Haarausfall nach dem Großvater mütterlicherseits schlagen.

Eine Studie der selben Universitäten aus dem Jahre 2008 zeigte jedoch, dass nicht nur dieses eine Gen für den Haarverlust verantwortlich ist. Es gibt Anzeichen auf weitere Gene, welche unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden. Dies bedeutet, dass auch der Vater ein „Überträger“ der androgenetischen Alopezie sein kann.


Verlauf des erblich bedingten Haarausfalles

erblich bedingter Haarausfall

Das Haar dünnt deutlich aus. Ein klassischer Verlauf nach Hamilton- Norwood.

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob es kein festes Muster dafür gibt, wie die Haare ausfallen.

Bei einigen Menschen bilden sich Geheimratsecken- der restliche Kopf ist dicht bewachsen. Bei anderen wiederum lichtet sich nur der hintere Oberkopf (Hubschrauberlandeplatz).

Auch ein komplettes Ausdünnen des gesamten Oberkopfes ist häufig zu sehen.

Auch wenn kein festgelegtes Haarausfallmuster existiert, lassen sich die verschiedenen Verläufe dennoch relativ genau klassifizieren.


Verlauf bei Männern

Der typische Verlauf bei Männern beginnt meistens mit dem Zurücktreten der Haarlinie. Die sogenannten Geheimratsecken entstehen. Im späteren Verlauf lichten sich mehr und mehr die Haare am Hinterkopf und im Scheitelbereich (Tonsur).

Auch ein diffuses Ausdünnen der gesamten Haare am Oberkopf ist oft zu beobachten. Auch wenn dieses Haarbild eher für den Haarausfall bei Frauen typisch ist, kann dieser Verlauf auch bei Männern auftreten.


 

Das Hamilton-Norwood Schema

Das Hamilton-Norwood Schema wurde 1951 von Hamilton entwickelt und im Jahre 1975 von Norwood erweitert. Es klassifiziert den Verlauf der androgenetischen Alopezie beim Mann in insgesamt 7 Stufen. Bei ca. 80% der Männer verläuft der erblich bedingte Haarausfall nach Hamilton- Norwood.

Hamilton-Norwood Typ1

Typ1: Minimales Zurückweichen des frontalen Haaransatzes

Hamilton-Norwood Typ2

Typ 2: Haarausfall frontal und temporär an den Schläfen (Geheimratsecken)

Hamilton-Norwood Typ3

Typ 3: Stark ausgeprägte Geheimratsecken

Hamilton-Norwood Typ3 vertex

Typ 3 vertex (Scheitel): Haarausfall vor allem am Scheitel. Im Frontalbereich besteht ein Haarverlust wie bei Typ 1 oder 2. Typ 3 wird nicht überschritten.

Hamilton-Norwood Typ4

Typ4: Starker Haarverlust im Scheitelbereich. Haarausfall an der Front überschreitet Typ 3. Zonen des Haarverlustes werden durch  ein Haarband getrennt.

Hamilton-Norwood Typ5

Typ 5: Ausgeprägter Haarverlust im Scheitel- und Frontalbereich. Kahle Areale werden nur noch von einer schmalen Zone der Behaarung getrennt. Die Haare an den Schläfen und am Hinterkopf nehmen eine Hufeisenform an.

Hamilton-Norwood Typ6

Typ 6: Zonen des Haarverlustes in Scheitel- und Frontalbereich sind ineinander übergegangen. Laterale (zu den Seiten sterbende) Ausbreitung der haarlosen Areale.

 

 

Hamilton-Norwood Typ7

Typ7: Vom ursprünglichen Haarbild verbleibt nur noch ein schmales Band, welches sich von den Ohren zum Hinterkopf durchzieht (Halbglatze).


A Varianten

Für die Typen 2-5 existiert eine Unterscheidung zwischen A und V Varianten. Die A Varianten definieren einen geradlinigen, fortschreitenden frontalen Haarverlust, während der Haarverlust bei den V Varianten (siehe oben) auch am Scheitel stattfindet.

Eine sehr umstrittene Theorie für den typischen Verlauf des Haarverlustes ist der Spannungshaarausfall.


Spannungshaarausfall

 

Mehr zum Thema: Spannungshaarausfall

 

 


 

"Hamilton-

Hamilton-Norwood Typ3A

Typ 3A

"Hamilton-Norwood "Hamilton-Norwood

Verlauf der androgenetischen Alopezie bei Frauen

Bei Frauen wird grundsätzlich zwischen drei Verlaufsmustern unterschieden:

Klassifikation nach Ludwig

Die Klassifikation nach Ludwig teilt die androgenetische Alopezie bei der Frau in drei verschiedene Stufen auf. Hierbei sind hauptsächlich die Stirn, der Scheitel und der Oberkopf vom Haarausfall betroffen.

androgenetische Alopezie Frau

Bei Frauen verläuft der erblich bedingte Haarausfall meist etwas anders.

Der typische erblich bedingte Haarausfall bei der Frau beginnt laut der Klassifikation nach Ludwig meistens an der Scheitellinie. Im weiteren Verlauf kann sich der Haarverlust diffus am gesamten Oberkopf ausbreiten. Die Haardichte an den Schläfen und am Hinterkopf bleibt – wie beim Mann- normal.

Erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium kann es zur Ausdünnung des Haupthaares kommen. Die Bildung einer kompletten Glatze ist hierbei sehr selten.

Ludwig Schema Stufe 1 erblich bedingter Haarausfall bei der Frau

Stufe I-4: Geringes Zurückweichen der Haarlinie am Scheitel und an der Stirn. Das Haar dünnt langsam aus.

Ludwig Schema Stufe 2 erblich bedingter Haarausfall bei der Frau

Stufe II-2: Deutlicher Haarausfall im Scheitelbereich. Noch vorhandenes Haar stark ausgedünnt.

Ludwig Schema Stufe 3 erblich bedingter Haarausfall bei der Frau

Stufe III: Runde und kahle Stelle umfasst den gesamten Oberkopf. Die Kopfhaut scheint komplett durch.


Klassifikation nach Olsen

Der zweit häufigste Verlauf des anlagebedingten Haarausfalles bei der Frau beschreibt die Klassifikation nach Olsen. Bezeichnend für diesen Verlauf ist die breitbasige Ausdünnung der vorderen Scheitelregion, welche nach hinten spitz verläuft, so dass sich ein tannenbaumartiges Muster ergibt.

 

Hamilton-Norwood bei der Frau

Der seltenste Verlauf bei der Frau ist das typische Haarausfallmuster beim Mann nach Hamilton Norwood. Es bilden sich Geheimratsecken und das Haar dünnt am Oberkopf diffus aus. Auch bei dieser Form kommt es bei Frauen sehr selten zu einer kompletten Glatzenbildung.

 

Auch wenn der Beginn und das Ausmaß der androgenetischen Alopezie bei der Frau stark variiert, schreitet der Haarausfall in den meisten Fällen kontinuierlich fort.


 


Man unterscheidet hierbei zwischen dem Frühtyp, welcher häufig schon in der Pupertät oder im frühen Erwachsenenalter auftritt und dem Spättyp, welcher erst in hohem Alter zum Vorschein kommt. Etwa 12% der Frauen leiden bereits im Alter von 30 Jahren an erblich bedingtem Haarausfall. Bei Frauen über 70 Jahren beträgt die Quote bereits 30- 40 %.


Diagnosestellung der androgenetischen Alopezie

Diagnose androgenetische Alopezie

Ein Dermatologe kann sehr schnell feststellen, ob Sie an erblich bedingtem Haarausfall leiden.

Vor einer Diagnose steht – wie bei jeder Erkrankung- eine ausführliche Anamnese. Diese umfasst alle medizinisch- relevanten Informationen sowie Krankheitsfälle in der nahen Verwandtschaft.

Wenn in der Familie keinerlei Fälle von erblich bedingtem Haarausfall auftreten oder bekannt sind, richtet sich der Fokus zunächst auf die Abklärung anderer Haarerkrankungen, welche meistens durch Medikamenteneinfluss auftreten.

 

 

 

 

Folgende Medikamente stehen hierbei im Augenmerk:



  • β-Blocker (mindern die Wirkung des Stresshormones Adrenalin und senkt den Blutdruck)

  • Anabolika (fördern den Aufbau von körpereigenem Gewebe)

  • Antiepileptika (Verwendung zur Behandlung epileptischer oder tonisch-klonischerAnfälle)

  • Zytostatika (hemmen die Zellteilung zum Beispiel bei Krebserkrankungen)

 

Bei Jugendlichen und Kindern muss zwischen einem angeborenen und einem erworbenen Haarausfall unterschieden werden. Zeigen sich bei Kindern bereits vor der Pubertät Anzeichen einer androgenetischen Alopezie, sollte als Erstes ein Endokrinologe zu Rate gezogen werden. Dieser kann den aktuellen Hormonstatus überprüfen und bei Bedarf eingreifen.

Trichogramm bei erblich bedingtem Haarausfall

Ein Dermatologe kann mit einem Phototrichogramm bestimmen, wie viele Haarwurzeln pro cm² aktiv sind.

Bei erwachsenen Patienten wird zuerst ein einfacher Zupftest durchgeführt. Zusätzlich werden die Haare und die Kopfhaut mithilfe eines Mikroskops (Dermatoskop) untersucht. Aus dieser Untersuchung entsteht ein so genanntes Phototrichogramm.

Durch diese Methode kann in einem bestimmten Areal die Anzahl der aktiven Haarwurzeln bestimmt werden.

Liegt diese unter dem normalen Wert, kann in den meisten Fällen eine Diagnose gestellt werden.

Zusätzlich kann außerdem ein Trichogramm ( Haare werden mit der Wurzel entnommen) oder eine Biopsie bei der Diagnosestellung durchgeführt werden.

Die Befunde dieser Untersuchungen sind meist eindeutig. Deshalb ist es in den seltensten Fällen notwendig, zusätzlich eine Laboruntersuchung durchzuführen.

 

Bei Frauen sind – je nach Anamnesebefund- verschiedene Laboruntersuchungen sinnvoll. Sollte es sich um kreisrunden Haarausfall oder diffusen Haarausfall handeln, kann eine erbliche Erkrankung ausgeschlossen werden.

In diesen Fällen ist es sinnvoll, eine Untersuchung der Schilddrüse und des gesamten Stoffwechsels durchzuführen.


Therapiemöglichkeiten bei androgenetischer Alopezie

 

Der Ansatz wirksamer Therapien ist es, den Haarausfall zu stoppen und den Neuwuchs der Haare zu fördern. Dies gelingt durch die Anregung telogener Haare (Haare in der Ruhephase), sich wieder in die Wachstumsphase zu begeben. Derzeit gibt es zwei Medikamente, welche wissenschaftlich erfolgreich getestet wurden.

Topische Therapiemöglichkeiten

 

Minoxidil

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft besteht die größte Erfolgsaussicht mit einer topischen Therapie mit Minoxidil.

Auch wenn der genaue Wirkmechanismus von Minoxidil bis heute nicht abschließend geklärt werden konnte, stoppt die Lösung bei etwa 90% der Anwender den Haarausfall. Dies ist eine überdurchschnittlich hohe Erfolgsquote.

 

Minoxidil gege erblich bedingten Haarausfall

Bei jedem vierten Patienten konnte mit Minoxidil ein Neuwuchs der Haare erreicht werden.

Es wird vermutet, dass das Medikament die Durchblutung der Kopfhaut und somit der Haarfollikel fördert. Somit kann Minoxidil bei langfristigerAnwendung dem Haarausfall entgegenwirken.

Bei jedem vierten Patienten konnte sogar ein Neuwuchs bereits inaktiver Haare nachgewiesen werden. Im Durchschnitt hatte jeder Anwender 13,3 Haare pro Quadratzentimeter mehr auf dem Kopf als vor der Behandlung.

 

 

 

Minoxidil ist frei verkäuflich.



  • Für Männer wird eine 2x tägliche Anwendung einer 5% Lösung (z.B Regaine Männer 5%) für ein optimales Therapieergebnis empfohlen.

  • Frauen sollten in der gleichen Häufigkeit eine 2%ige Lösung (z.B Regaine Frauen 2% Lösung) verwenden.

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In Absprache mit einem Arzt können Frauen als Alternative auch 1x täglich die 5%ige Lösung für Männer verwenden.

Die Wirkung von Minoxidil tritt bei konsequenter Behandlung frühestens nach 3- spätestens ab 6 Monaten ein.

In den ersten 4-8 Wochen der Behandlung kann es zu einem verstärktem Haarausfall kommen (Shedding). Grund hierfür sind die reaktivierten Haarfollikel, welche im Rahmen der erreichten Wachstumsphase das alte und schwache Haar aus dem Haarkanal drücken und durch ein neues, dickeres Haar ersetzen.

 

Wird Minoxidil abgesetzt, kommt es nach ca. 12 Wochen zu einem verstärkten Haarausfall. Die neuen Haare gehen verloren. Der Status der Haare entspricht bei Therapieabbruch dem, als hätte nie eine Behandlung stattgefunden.

Viele Patienten bekommen die subjektive Wahrnehmung, als würden mehr Haare ausfallen als vor der Behandlung. Dies entspricht jedoch nicht der Wahrheit, da die neu gewonnenen Haare ohne Behandlung gar nicht existiert hätten.

Die Anwendung muss dauerhaft erfolgen, um die Therapie erfolgreich zu gestalten!

Wie jedes Medikament kann auch Minoxidil Nebenwirkungen hervorrufen. In seltenen Fällen kommt es zu einer starken Schuppung auf der Kopfhaut verbunden mit Juckreiz. Beim kleinsten Anzeichen einer allergischen Reaktion (Rötung, Hautveränderung), sollte die Therapie abgebrochen werden.

Auch ein Austrocknen der Kopfhaut ist oft zu beobachten. Diese Nebenwirkung entsteht durch den Alkoholgehalt der Lösung.

Des weiteren sollten schwangere oder stillende Frauen das Medikament nicht benutzen!


Alfatradiol

Ein weiteres Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall ist Alfatradiol. Der Wirkstoff ist strukturell mit dem weiblichen Hormon 17β-Estradiol verwandt, weist jedoch keine östrogene Wirkung auf.

Das Medikament hemmt die 5α-Reduktase, welche der Verursacher der Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) ist. Der Wirkstoff ist sowohl für Frauen als auch für Männer geeignet.

Die Anwendung ist denkbar einfach. Im Gegensatz zu Minoxidil, welches 2x täglich angewendet werden muss, reicht bei Alfatradiol eine einmalige Anwendung pro Tag (z.B mit Ell Carnell).

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Alfatradiol wird vor allem bei leichtem erblich bedingtem Haarausfall empfohlen (z.B Hamilton Norwood Typ1). Der Anteil der Haare, welche in die Wachstumsphase übergehen, soll durch die Anwendung erhöht werden. Wissenschaftlich liegen leider noch zu wenig Informationen vor, um die Wirksamkeit zu bestätigen.

Es scheint aber so, als ob der Wirkstoff wenigstens das Fortschreiten des Haarausfalles verhindert.

Mögliche Nebenwirkungen sind, ähnlich wie bei Minoxidil, Hautrötungen, Juckreiz und eine trockene Kopfhaut. Während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit ist die Anwendung nicht möglich.


Systemische Therapiemöglichkeiten

Finasterid

Der Wirkstoff Finasterid wirkt- ähnlich wie Alfatradiol- als 5α-Reduktasehemmer. Seit 1998 ist das Medikament zur systemischen Behandlung gegen die androgenetische Alopezie bei Männern zugelassen. Doch auch Männer benötigen für das verschreibungspflichtige Medikament ein Rezept.

Wissenschaftlich- klinische Studien belegen, dass die Einnahme von Finasterid den DHT Spiegel senkt, und somit das Fortschreiten des anlagebedingten Haarausfalles verhindern kann.

 

Allgemein ist Finasterid gut verträglich. Bei 2% der Patienten kam es jedoch zu einer erheblichen Minderung der Libido (Lust auf Sex) und einer erektilen Dysfunktion. Außerdem waren bei diesen Männern Veränderungen im Sperma nachweisbar, welche nach Absetzen des Medikamentes jedoch wieder verschwanden. Ein negativer Einfluss auf die Fruchtbarkeit des Mannes ist bisher nicht belegt.

Für Frauen mit androgenetischer Alopezie ist Finasterid nicht geeignet. Auch wenn die Behandlung in Studien gewisse Erfolge erzielte, ist das Medikament für Frauen nicht zugelassen. Man geht davon aus, dass Finasterid das Fehlbildungsrisiko männlicher Föten erhöht.

Auch von der zulassungsüberschreitenden Off Label Alternative Dutasterid raten wir ab. Als Alternative für Frauen steht Alfatradiol zur Verfügung, welches ebenfalls als 5α-Reduktasehemmer wirkt.

Männer ab 45 Jahren sollten die Einnahme von Finasterid unbedingt mit einem Urologen absprechen. Finasterid kann die Größenzunahme der Prostata beeinflussen, und somit die Früherkennung von Prostatakrebs behindern.

Hormonelle Therapiemöglichkeiten bei Frauen

Hormontherapie gegen Haarausfall

Eine gezielte Hormontherapie kann in Kombination mit Minoxidil bei Frauen gute Ergebnisse erzielen.

Da der erblich bedingte Haarausfall durch männliche Geschlechtshormone ausgelöst wird, kann ein medikamentöser Eingriff in den Hormonhaushalt bei Frauen durchaus sinnvoll sein.

Hierzu eignen sich am besten weibliche Geschlechtshormone wie beispielsweise Östrogene oder Progesteron.

Auch so genannte Antiandrogene, welche den männlichen Geschlechtshormonen entgegenwirken, werden als wirksam angesehen.

Bei Patientinnen ohne hormonelle Dysfunktion gibt es jedoch keine Anzeichen, dass die Behandlung mit Hormonen bei einer androgenetischen Alopezie wirksam sind.

 

Selbst bei Frauen mit einem nachgewiesenem Überschuss an Testosteron, zeigen hormonelle Therapien nur mäßige Erfolge. In diesen Fällen verspricht eine kombinierte Therapie zwischen Hormonen und Minoxidil die besten Therapieergebnisse.

Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass jede hormonelle Therapie eine sichere Verhütung voraussetzt, da es sonst zur Verweiblichung männlicher Föten kommen kann.  Eine Therapie mit Hormonen sollte in jedem Fall mit einem Endokrinologen abgesprochen werden.


Für Männer ist eine hormonelle Therapie mit weiblichen Geschlechtshormonen nicht geeignet.

 


Therapiemöglichkeit Lasertechnik

Bei regelmäßiger Anwendung eines so genannten Haarmatrixlasers, welcher bei niederiger Energie in einem Bereich von etwa 655nm arbeitet, konnte in wissenschaftlichen Studien ein Anstieg der Haaranzahl erreicht werden.

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Die Therapie mit Lasertechnik ist jedoch nur in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung sinnvoll.

 


Therapiemöglichkeit Haartransplantation

 

 

Haartransplantation gegen Haarausfall

Selbst die Haarlinie kann bei einer Haartransplantation rekonstruiert werden.

Die Transplantation von Haaren ist mittlerweile sehr ausgereift und standardisiert. Dem Patienten werden Terminalhaare aus dem Haarkranz entnommen (so genannte Grafts) und am Oberkopf wieder eingesetzt.

Ein Graft kann hierbei mehrere Haare enthalten.

Die Haare aus dem Haarkranz sind gegen Dihydrotestosteron immun und fallen deshalb nicht mehr aus.

 

 

 

Durch dieses Verfahren lassen sich bereits kahle Stellen wieder auffüllen. Das Haarbild kann somit stark verbessert werden, da selbst die Haarlinie rekonstruiert werden kann.


Bei fortgeschrittenem erblich bedingtem Haarausfall können mehrere Behandlungen notwendig sein, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen.

In der Regel ist ein erster Erfolg nach ca. 6 Monaten nach der Behandlung zu beobachten. Das endgültige Ergebnis ist nach etwa 12 Monaten sichtbar.

Die Kosten einer Haartransplantation müssen in fast allen Fällen selbst getragen werden, da es sich um einen rein kosmetischen Eingriff handelt.

Auf den Verlauf einer androgenetischen Alopezie hat eine Haartransplantation jedoch keinen Einfluss. Eine zusätzliche Therapie mit Minoxidil oder Finasterid ist daher sehr sinnvoll.


Kosmetische Möglichkeiten

Mit Hilfe kosmetischer Mittel lassen sich kahle und lichte Stellen sehr gut kaschieren. Günstige kosmetische Varianten wären beispielsweise Streuhaare oder Haarverdichtungssprays. Auch mit Toupets und Haarteilen lassen sich sehr natürliche Ergebnisse erzielen.


Quellenangaben und Verweise